warten.

 zum hundertsten male schau ich auf meine weisse armbanduhr. 11.35 uhr. noch 10 minuten. ich atme tief durch und lasse mich auf der mauer vor dem teich nieder. in gedanken versunken schaue ich auff die spiegelglatte oberfläche. durch meine neuen, türkisfarbenen kopfhörer dröhnt der song 'warten' von der neu gegründeten band gloria. danke für den tipp, joko denke ich mir lächelnd. ich schnipse einen marienkäfer von meiner schwarzen jeans. ungeduldig wackel ich mit meinen füßen. wie lange hältst du mich hier noch fest?

Wenn es dir schon schlecht geht,  du nur noch verlierst
und keinen Ausweg mehr siehst.
Wenn du längst schon denkst, du schaffst das nicht allein,
weil du gar nichts mehr fühlst. Dann komm ich.. 

ich spüre, wie mich jemand leicht an der schulter berührt. ein grinsen fährt über mein gesicht. noch drehe ich mich nicht um. ein, zwei sekunden warte ich ab, schalte die musik ab und drehe mich zu dir um. ein viel zu hohes, unnatürliches 'hey' entfährt mir. du lächelst zurück. und dann falle ich in deine arme. endlich. nach über 4 langen wochen habe ich dich wieder. ich streiche mir eine haarsträhnee hinter mein linkes ohr und schaue dich an, versuche so viel wie möglich aufzunehmen, zu speichern. wer weiss, wie lange ich auf unser nächstes wiedersehen warten muss. ich kann dem blick deiner eisblauen augen nicht standhalten und schaue schnell weg.

Nimm dir die Luft,  nimm dir das Glück zum Atmen,
lass dich im Stich.  Lass dich im Stich zu lange warten..

ich frage nach deinem letzten trip. besorgt streiche ich über deine verbrannte haut. 'und zu mir sagst du, denk ja daran, dich ordentlich einzucremen' entfährt mir lachend. schweigend gehe ich neben dir her, während ich dir zuhöre, wie du von deinen reisen berichtest. unterstützend zeigst du mir bilder. 'ich will da auch mal unbedingt hin' gebe ich neidvoll zu als ich dir dein handy wieder zurückgebe. du verlangsamst dein tempo und deutest auf eine parkbank. ich nicke stumm und setzte mich neben dich. 'aber jetzt bist du dran, wie war's auf der aida und auf malle?' deine augen strahlen, du bist ungeheuer gespannt. ich warte einen moment ab und lächel zurück. du hast keine ahnung, wie ich das vermisst habe.

Mit jedem Schritt nach vorn, zieh ich dich schnell zurück.
Ich steh dir nur im Weg, mach dich nach und nach verrückt.
Gefährlich und ehrlich, eine Welt die es nicht gibt.
Leg mich über alles was du liebst. 

'hast du deinen zauberwürfel mit?' - 'na logo' antworte ich grinsend. kurze zeit später zaubere ich eine miniversion des rubik's cube aus meiner tasche. 'der ist ja niedlich' - 'ja oder?' und nicke zustimmend. schnell verdrehe dich die miniaturausgabe und drücke sie dir in die hand. 'dann zeig erst einmal, was du überhaupt kannst.' schon drei minuten später kapitulierst du. 'okay, dann nochmal von vorne'. ich drehe den würfel in die richtige ausgangsposition und fange an, die grundregeln zu erklären. 'also die mittelsteine sind deine basis. wo orange ist, muss du orange rumdrehen, kein blau oder weiß. okay?' [...] 'jetzt suche mal den weiß-blauen kantenstein...' [...] 'up right up-inverted left-inverted .. neeein left-inverted, nicht left, up right-inverted up-inverted left.' stolz hältst du den fast gelösten würfel in der hand. 'okay, noch .. .8 drehungen und der würfel ist fertig. right-inverted, down-inverted, right, down.' - 'aber der ist ja voll kaputt' jaulst du bekümmert. 'nein nein, keine panik. das wird schon' muntere ich dich auf. 'und nochmal dasselbe. right-inverted...' [...] 'na siehste' - 'ist ja eigentlich ganz einfach..' kommentierst du frech.

Ich nehm dir die Luft, nehm dir das Glück zum Atmen,
lass dich im Stich. Lass dich im Stich zu lange warten..

fünf stunden später klingelt mein handy. 'einen moment' werfe ich zwischen deine ausführungen und drücke auf 'gespräch annehmen. 'hi mum.. ja ... ja .. ja okay okay okay.. ja ja ja.. nein .. ja. okay bis gleich.' langsam schiebe ich mein bb wieder in den holster zurück. 'ich muss los' piepse ich. 'sorry..' - 'darf ich ein stück mitkommen?' fragst du liebenswürdig. 'logen' meine ich und meine stimmung bessert sich ein wenig. an der kkbrüche drehe ich mich zu dir. 'von hier aus komm ich auch allein nach hause' flüstere ich leise. du nimmst mich lange in den arm. 'viel spass dir nächste woche' whispere ich dir ins ohr. ich löse mich aus der umarmung und schaue dich ein letztes mal, für normale begriffe viel zu lang. eine einzige frage liegt in deinem blick. kaum merklich schüttel ich den kopf.

Glaubst du wirklich, dass du mich verlierst,
wenn du davon rennst. Ich bin schneller als du denkst.
Glaubst du wirklich, es geht dir woanders nicht so schlecht, wie hier.. 

ich küsse dich auf die linke wange. 'du wirst mir fehlen.' schweren herzens lasse ich deine hand los und drehe mich um. meine beine schreien 'renn' doch ich komme kaum einen schritt vorwärts. ein letztes mal drehe ich mich um. wie einsam du da stehst. es zerreisst mir fast das herz. ich hebe meine hand zum winken, sehe ein letztes mal dein lächeln, bevor ich entgültig gehe.

sometimes  love  is  not  enough

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