#5

vier monate später.

zu viert sitzen wir an dem dorfsee. weit und breit kaum eine menschenseele, nur hier und da eine familie mit kind oder einige pärchen. du liegst noch blass neben mir, hast deinen strohhut aufgesetzt und glänzt von der sonnenmilch. c. sitzt an deinem fußende und blättert durch deine zeitschrift. anscheinend der perfekte moment für m., mich endlich zur seite zu nehmen.
"so, und du bist m.s antje, von der ich schon so viel gehört habe"

ich grinse ihn an. "mag sein" antworte ich vage.

"es sind deshalb alle so neugierig, weil du die erste freundin
bist, die m. mitbringt. deswegen war ich auch gespannt, wie
du nun so live bist, denn erzählungen geben nie die ganze 
wirklichkeit wieder"

ich staune über seine offenheit. "ja, da hast du recht.
ich hoffe, dass man nicht allzu viel beschönigt hat" 

"ach quatsch" winkt er lachend ab.

"liegt bestimmt an seinem hobby, dass er bisher nicht
die zeit und die lust auf eine freundin gefunden hat"

er nickt. "durchaus möglich, ja. wie stehst 
du denn dazu, wenn ich fragen darf?"

ich lächle in mich hinein. so höflich, ein traum.
"ja, was soll ich sagen.." ich zucke mit den schultern.
"ich toleriere es, so gut es geht. was soll ich auch
tun? ihm verbieten, zu solchen veranstaltungen zu fahren?"

er schüttelt den kopf.

"zumale es eh nichts ändern würde."

"meinst du?"

"m. mein einfluss auf ihn ist viel zu gering, um ihm
irgendwas zu untersagen, zu verbieten. er macht
es sowieso. da zählt meine meinung nicht viel."

"deine meinung?" 

"vielleicht nicht unbedingt meine meinung... 
es ist mitunter auch der stellenwert, den ich
in seinem leben habe, den platz, den ich in
seinem leben einnehme."

"ich denke schon, dass du einen hohen 
stellenwert hast"

"keine frage, das zweifel ich auch nicht an. aber
 im vergleich zu seinem hobby.. da habe ich auf gut 
deutsch gar nichts zu melden. er würde das niemals 
für mich aufgeben. das geht immer vor. 
aber das ist okay. ich habe mich daran gewöhnt."

"leah, du hast dich vielmehr damit 
arrangiert als dich daran gewöhnt."

ich schweige.
"ja das mag sein"

er merkt, dass das gespräch mehr oder
weniger suboptimal verläuft und versucht
eilig, das thema zu wechseln. "und 
schleppt er dich auch immer mit zum floh?"

ich lächel müde. "klar, bin mindestens einmal im
monat mit dabei. standard." ich zwinker ihm zu.

"macht es dir auch spaß?" er fragt ehrlich.
fast schon besorgt. wie niedlich. fast.

"naja, ist mal was anderes."

"das heisst nichts gutes."

"ich würde die zeit mit ihm lieber in einem café
in der stadt absitzen, gemütlich frühstücken. 
oder noch im bett liegen bleiben. spazieren gehen.
aber floh ist auch okay, ich habe mich damit arrangiert."

erwartungsvoll schaut er mich an

"meist ist es der einzige tag in der woche,
wo ich ihn sehen kann. soll ich da absagen?
soll ich sagen: 'nein m, kein bock?' damit schneide
ich mir nur ins eigene fleisch. weil er sowieso geht.
da gibt es für ihn leider keinen kompromiss und um
ewigen diskussionen zu entgehen, füge ich mich und 
begleite ihn. so schlimm ist es ja nun nicht."

"seht ihr euch so selten?"

"er hat wenig zeit und wenig lust zum fahren."

 
"keine lust zu fahren? das gibts eigentlich nicht."


"er ist nunmal so. ich würde mit meiner freundin
auch anders umgehen, m. aber das ist was anderes."

"wie würdest du mit deiner freundin umgehen?"

"meine freundin wäre meine prinzessin. ich würde
ihr jeden wunsch von den lippen ablesen "sofort erfüllen.
sie überall hinbringen und abholen. mit ihr essen gehen, ihr blumen
schenken, ihr sagen, dass ich sie liebe..." ich stocke. "ja, das 
sage ich aus mädchensicht, das wäre halt sehr schön so behandelt
zu werden. als kerl würde ich bestimmt nicht so fürsorglich agieren"

er schaut mich mit einem ausdruckslosen blick an.
"was hat denn die familie gesagt, als er dich 
offiziell als freundin vorgestellt hat?" 

"er.." ich räuspere mich. "er hat mich nicht
als seine freundin vorgestellt, das tut er immer noch
nicht. 'das ist leah' lautet der standardsatz. bei mir ist
er mein freund, bei ihm bin ich leah."


"in seinem facebook profil steht ja auch
immer noch single drin, mh?"

ich nicke. "jep."

stumm schaut er mich an. dann beginnt er von seinem studium zu erzählen. nur noch einzelne wortfetzen dringen an mein ohr. 'semester' - 'prüfungen' - 'bestanden' usw. in gedanken versunken blicke ich auf die spiegelglatte wasseroberfläche. der sand rieselt zwischen meinen füßen hindurch. "hörst du mir noch zu?" - "jaja" erwidere ich schnell und bemühe mich seinen ausführungen zu folgen. trotzdem wandern meine gedanken immer woanders hin. ich stehe auf und streife mir mein top drüber. "ich glaube, du hast zu viel zu falschen themen gefragt." ich schlucke. "ich brauche mal n moment für mich.." c. hat die gesamte szene mitgehört, wie er mir später verrät. nun steht er erst einmal auf und folgt mir zu einer kleinen rasenfläche, nicht weit weg von den anderen beiden. erschöpft lasse ich mich ins gras fallen, mein begleiter daneben. dieser betrachtet mich nun von der seite. ich schaue zurück. "ach c." flüstere ich mit erstickter stimme, während mir eine träne über die wange rollt.





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