14 uhr bauernmarkt und verkaufsoffener sonntag mit der besten freundin - gibt es was besseres? frage ich mich, als ich um 13.05 uhr noch vor meinem laptop sitze. whatsapp reißt mich aus meinen gedanken. 'geht auch 13.45?' - 'klar, dann düse ich jetzt schnell runter und geh mich fertig machen ;*'. verzweifelt durchwühle ich meinen kleiderschrank. ich habe einfach nichts zum anziehen! 'mamaaaaa, wo ist das live-free shirt?' - 'muss ich noch bügeln.' - 'dann bitte'. während sie es für mich schickt macht, beginne ich mich unten fertigzumachen. im komplettschwarzlook (-.-) und weißem halstuch schwinge ich mich auf meinen ebenfalls schwarzen drahtesel und radel los in die stadt. mensch, ist ja viel los. ich verändere schnell die tastenkombination und stiefel richtung haltestelle. j steht schon da und lacht mich an. nach kurem smalltalk schaut sie verschwörerisch nach rechts und links und flüstert mir dann leise ins ohr: 'ich hab eine überraschung für dich!'. verwundert schaue ich sie an. was soll das denn sein? 'ich verbinde dir jetzt die augen'. fest eingehakt laufe ich langsam mit kleinen schritten neben ihr her. eine autotür geht auf. 'einmal vorsichtig reinsetzen'. wir fahren vom postparkplatz raus und biegen nach rechts ab. kopfsteinpflaster. wenigstens weiß ich, in welchem bezirk wir sind. doch als dann 3x nach rechts und links abgebogen wird, verliere ich die orientierung. wo sind wir nur?! verängstigt taste ich nach j.s hand und kralle mich fest. 'warte kurz, ich helfe dir beim aussteigen' meint sie kurze zeit später zu mir. 'ich nehme dir jetzt die augenbinde ab, aber die augen bitte geschlossen halten!' - 'j, bitte lass und zurückfahren....' - 'vertrau mir'. ich verzieh mein gesicht zu einer grimasse und bin still. 'du bleibt hier stehen. du zählst jetzt im normalen tempo bis 100. also 1 - 2 -3. vertrau mir!' resigniert nicke ich und beginne zu zählen. 4,5,6 währendessen versuche ich von den geräuschen her auszumachen, wo ich mich befinde. aber ausser ein paar autos und vogelgezwitscher kann ich nichts hören. 20,21,22. mir ist kalt, ich kuschel mich tiefer in meine jacke. 53,54,55. was hat sie sich nur dabei gedacht. 65,66,67. ich dachte, wir machen einen gemütlichen mädelsnachmittag. 77,78,79. mit anschliessendem drink in einer bar. 80,81,82. am ende war das alles nur ein doofer scherz. 93,94,95. noch mit geschlossenen augen beginne ich zu lächeln. ganz bestimmt. 99,100. langsam öffne ich meine augen, blinzle vom grellen tageslicht. doch schon bruchteile einer sekunde später beginnt mein herz zu rasen. du stehst vor mir. die hände in den taschen einer schlichten braunen lederjacke. blaue verwaschene jeans. irgendein paar turnschuhe. adidas. nike. puma. whatever. mein lächeln erstarrt. du kommst einen schritt auf mich zu, ich weiche unmerklich zurück. 'hi'. mehr sagst du nicht. 'was machst du hier?' frage ich dich. nun fassungslos. 'j'. als ob ihr name alles sagen würde. 'wenn du mit mir mitkommst, erklär ich dir das bei einem kaffee.' ich kann dieses angebot unmöglich ausschlagen. aus neugier schon nicht. und weil es moralisch nicht verwertbar wäre. und weil ich einen kaffee brauche. oder auch zwei.
als wir eine viertelstunde später bei dir in der küche sitzen und eine dampfende tasse vor mir steht, weiß ich wenigstens schon, warum du hier bist und wie es dir so geht. was du die letzte zeit so getrieben hast. als du mir gegenüber sitzt, hat sich mein herzschlag halbwegs normalisiert. ich zupfe an dem schwarz weissen armband herum, lunsche auf meine weisse uhr, sammel meine gedanken nochmal und schaue dich an. 'warum bist du hier?' und für die nächsten 10 minuten schweige ich.
'j. hat mich angeschrieben..das war ungefähr letzten monat. du hast ihr von mir erzählt, sogar ziemlich viel. dass du mich vermisst hast. dass du viel von mir erzählt hast. auch von deinem geburtstag. als das dein grösster wunsch war bzw ein grosser wunsch. und von den nachrichten, auf die ich dir nie geantwortet habe. [....] dann habe ich ihr beschrieben, was ich darüber so denke. ich wusste nicht, dass du dem damals so viel bedeutung beigemessen hast. und weiss gott, ich hab dich nicht weniger vermisst! aber abstand ist doch das beste mittel zum vergessen. [....] doch dann kam wieder eine message. und ich habe geantwortet, nachgegeben. und doch habe ich mich zusammengerissen und den kontakt abgebrochen. was aus februar geworden wäre, wenn heue nicht wäre, weiß ich nicht. wahrscheinlich nicht. [....]. j. meinte, dass es dir nicht gut geht. sie wollte, wenn ich herkomme, dass ich mir zeit nehme. und das habe ich getan. weil ich wusste, dass es so nicht weitergehen kann. vorhin hatte ich total schiss vor deiner reaktion. das schlimmste wäre gewesen, dass du weggehst. oder weinst. aber du hast nichts gemacht. und das war glaube ich am schrecklichsten. aber du bist mitgekommen. deswegen bin ich schon erleichtert. und jetzt bin ich hier.'
'ja. j. hatte recht. mir ging es nicht gut. du hast mir unfassbar sehr gefehlt. [....] kannst du dir das vorstellen? wegen dir! mitunter wegen dir. weil ich dir so viel bedeutung beigemessen habe, was ein riesengrosser fehler war. dann kam zum ersten mal keine antwort. ich habe gelitten, gezweifelt. dann kam zum zweiten mal keine antwort. dann war es mir egal. ich habe angefangen, es zu verarbeiten. vor kurzem meinte ich noch zu j., dass ich dich so lange im kopf habe, bis ich jmd. neues kennenlerne. aber ich wollte niemand neues kennenlernen. ich habe alles und jeden mit dir verglichen und es hat jeder schlecher abgeschnitten. du warst mir so wichtig. und das wusstest du, das hast du gemerkt. und du hast mich einfach allein gelassen. allein in einer welt, wo mich keiner versteht. we clicked würde man im englischen sagen. haben uns auf anhieb gut verstanden. die schlimmste zeit war übrigens direkt nachdem du weg warst. als ich da allein gesessen habe. und sie haben gefragt. und ich erfand immer ausreden. aber sie haben mich immer wieder daran erinnert. es war nicht mehr dasselbe. du hast ein loch hinterlssen. es fehlte was. was wäre gewesen, wenn ich damals nicht in urlaub gefahren wäre? alles hätte, wenn und wäre. ich hab dich gebraucht, doch du warst nicht da, x. du hast mich im stich gelassen. allein mit allen eindrücken und erinnerungen. und keiner konnte sie löschen. kein einziger.'
tränen schwimmen in meinen augen. reiss dich zusammen leah. reiss dich zusammen. ich stehe auf, stelle meine leere tasse in die spüle und drehe mich zu dir um. du musterst mich von kopf bis fuss. verärgert drehe ich mich weg. bis auch du aufstehst, deine tasse abstellst und mich umarmst. wir scheinen ewig dort so zu stehen. mit stockender stimme whisperst du in mein ohr: 'du hast mir so gefehlt'. immer und immer wieder..

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